Herpes-Virus: Pferde infiziert

04.03.2021

Drei deutsche Turnierpferde sterben bei einem Springturnier im spanischen Valencia. Während der Corona-Krise trifft den Reitsport ein weiteres Virus. Von Spanien aus verbreitet sich ein Herpes-Virus, welches besonders aggressiv sein soll und an dem bereits mehrere Pferde gestorben sind. Der Weltverband FEI hat daraufhin kurzfristig mit der Absage aller internationalen Turniere in Deutschland und weiteren neun Ländern reagiert.

Informationen über Symptome sind offenbar zu spät weitergegeben worden. Bereits vor mehr als einer Woche zeigten in Valencia mehrere Pferde Symptome, wobei bislang zehn Tiere gestorben sind. Es ist nicht sicher, wie weit sich der Erreger schon ausgebreitet hat. Man geht aber von drei weiteren Ländern aus, in denen schon Fälle aufgetreten sind. Derartige Herpes-Infektionen sind nach Angaben des nationalen Verbandes FN hierzulande „nicht anzeige- oder meldepflichtig“. Laut FN verursachen die Viren auch „keine auf Menschen übertragbaren Krankheiten“.

Die FEI geht davon aus, „dass eine große Anzahl von Pferden den Veranstaltungsort in Valencia ohne ein offizielles Gesundheitszeugnis verlassen hat“. In einer Mitteilung heißt es weiter: „Einige Pferde waren bereits krank, und das Risiko einer Übertragung von diesen Pferden ist ein großes Problem.“

Update 11.03,2021

Elf tote Pferde sowie gemeldete Krankheitsfälle in Deutschland und sieben weiteren Ländern: Das potenziell tödliche Herpesvirus EHV-1 greift weiter um sich. Die Zahl der europäischen Länder mit nachgewiesenen Fällen der Virusvariante EHV-1 ist jetzt auf sieben gestiegen. Dazu gehört Spanien, Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Schweden und auch die Schweiz. Die nachgewiesenen EHV-1-Fälle in den USA (Florida) stehen laut FEI jedoch nicht in Zusammenhang mit dem Ausbruch in Europa.

Herpes: Erscheinungsformen

Herpes ist beim Menschen eine häufige Erkrankung und äußert sich zum Beispiel in entzündlichen Bläschen an der Lippe. Doch auch Pferde tragen das Herpes-Virus. Die Erscheinungsformen des Pferdeherpes sind anders als die beim Menschen und werden oft gar nicht als solche erkannt. Doch aus ungeklärter Ursache kommt es immer wieder zu räumlich und zeitlich gehäuften Ausbrüchen von Herpes bei Pferden, sodass viele Pferdebestände einer Region gleichzeitig betroffen sind. Diese ansteckende Erkrankung ist in der Pferdepopulation weit verbreitet. Wahrscheinlich tragen bis zu 90 Prozent der Pferde das Herpesvirus in sich. Meist kommt es trotz einer Ansteckung jedoch nicht zu einem Ausbruch der Erkrankung oder nur zu sehr milden klinischen Anzeichen.

Herpes: Übertragung

Die Viren befinden sich im Sekret von Nase und Augen. Sie können zwischen den Pferden durch direkten Kontakt bzw. indirekt über kontaminierte Oberflächen und durch Menschen übertragen werden. Bei tragenden Stuten ist das Herpesvirus auch im Fruchtwasser und in der Nachgeburt vorhanden. Das ungeborene Fohlen wiederum kann durch seine infizierte Mutter über die Blutbahn angesteckt werden.

Das Equine Herpesvirus ist ein für das Pferd spezifisches Virus, das weder auf den Menschen noch auf den Hund übertragbar ist. Pferdeherpes kommt also beim Menschen nicht vor und auch in umgekehrter Richtung ist keine Ansteckung möglich. Den Pferden nahe Verwandte Esel, Maultiere und Maulesel können aber mit Pferdeherpesviren infiziert werden. Hunde und Menschen können das Virus zwischen Pferden auf indirektem Wege übertragen, auch wenn sie selbst nicht daran erkranken. Nach einer Infektion verbleibt das Virus ständig im Pferdeorganismus. Die meisten infizierten Pferde zeigen keine Anzeichen einer Erkrankung, scheiden das Virus aber lebenslang aus und können so unbemerkt andere Pferde infizieren.

Herpes: Behandlungsmöglichkeiten

Kommt ein infiziertes Pferd in eine Stresssituation wie bei einem Turnier, kann dies das Herpesvirus aktivieren und den Ausbruch der Erkrankung hervorrufen. Kommt es zum Ausbruch von Herpes, ist eine symptomatische Behandlung möglich. Gegen das Virus selbst gibt es kein Mittel. Der Tierarzt kann z.B. folgende Mittel verabreichen:

– Infusionen mit Kochsalzlösung (zur Unterstützung des Kreislaufs)
– Zylexis  Paraimmunitätsinducer  (unterstützt die Funktion des Immunsystems)
– Vitamine, besonders  B und E
– Entzündungshemmer (zum Beispiel Kortison)
– Antibiotika (bei auftretenden bakteriellen Infektionen)

Herpesausbruch: Maßnahmen

Bei einem Ausbruch von Pferdeherpes ist sofort eine Quarantäne zu verhängen. Die betroffenen Pferde müssen räumlich von den anderen Pferden isoliert werden und kein Pferd sollte den Stall währende der akuten Phase verlassen.  Für den Quarantänebereich ist es ratsam, separate Gerätschaften und Kleidung bereitzuhalten, die nicht mit den gesunden Pferden in Kontakt kommen dürfen. Regelmäßige Desinfektionsmaßnahmen mit peressigsäurehaltigen Produkten (z.B. Peressigsäure 0.8 BasicPlus Konzentrat >>>) bringt zusätzliche Sicherheit.

 

Die Menschheit wird sich daran gewöhnen müssen, mit gefährlichen Erregern zu leben.. Aus diesem Grund sind hygienemaßnahmen in allen Bereichen des menschlichen Lebens, insbesondere in der Tierhaltung, ein ganz wichtiger Teil der Überlebensstrategie.

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